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Autismus: Du und Ich. Und Empathie - Eine Zweibahnstraße

Vor einiger Zeit lernte ich einen Neurochirurgen kennen. Ich erzählte ihm von meiner Autismus-Diagnose und fragte, ob er in seinem Beruf auch mit Autisten zu tun habe. Er überlegte kurz und antwortete dann: “Autisten, das sind die ohne Empathie, oder?”.

Es gibt viele Klischees, die mit Autismus assoziiert werden. “Autistische Menschen empfinden keine Empathie”, ist eines davon. Eine Konsequenz dieser falschen Annahme ist, dass Kommunikationsprobleme zwischen autistischen und nicht-autistischen Menschen oft ausschließlich als Defizit der autistischen Person bewertet werden.

Doch was ist Empathie eigentlich konkret? Fragt man unterschiedliche Menschen, so erhält man viele unterschiedliche Antworten: “Sich in jemanden anderen hineinversetzen können”, “fühlen können, was der andere fühlt”, oder “den anderen verstehen können”, sind häufig darunter. “Meinst du kognitive oder emotionale Empathie?”, ist hingegen eine eher seltene Antwort. Die Fülle der unterschiedlichen Antworten verdeutlicht jedoch primär eines: Empathie, also menschliches Einfühlungsvermögen, ist ein komplexes Thema. Und: Es geht um gegenseitiges Verständnis.

Milton’s “Double Empathy Problem” ist ein im Kontext Autismus und Empathie viel zitierter Ansatz, den man kennen sollte.

Was ist Milton’s “Double Empathy Problem”?

Milton’s “Double Empathy Problem” ist eine Theorie, die besagt, dass sowohl Autisten als auch Nicht-Autisten Schwierigkeiten haben, sich in den anderen einzufühlen und miteinander zu kommunizieren. Dies liegt daran, dass Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen einander oft missverstehen, wenn sie versuchen zu kommunizieren. Dieses Missverständnis geht in beide Richtungen, d.h. keine der beiden Seiten versteht vollständig, was die andere Seite zu sagen versucht oder fühlt.

Folgende Beispiele illustrieren das “Double Empathy Problem” in unterschiedlichen Kontexten:

1. Beispiel im Kontext von Autismus

Situation: Julia, die autistisch ist, und Tom, der nicht autistisch ist, arbeiten gemeinsam an einem Projekt.

Julias Sichtweise: Julia bevorzugt direkte Kommunikation und konzentriert sich intensiv auf Details. Sie findet es verwirrend, wenn Tom sich vage ausdrückt oder von ihr erwartet, dass sie zwischen den Zeilen liest.

Toms Sichtweise: Tom verwendet eine Menge Körpersprache und Andeutungen, um seine Ideen auszudrücken. Er ist frustriert, wenn Julia diese subtilen Hinweise nicht aufgreift und das Gesamtbild zu übersehen scheint.

Das Ergebnis: Sowohl Julia als auch Tom fühlen sich missverstanden und sind frustriert. Julia denkt, Tom sei unklar und Tom denkt, Julia sei unflexibel.

Das ist das Double Empathy Problem in Aktion: Beide haben Schwierigkeiten, die Art und Weise, wie der andere kommuniziert, zu verstehen.

2. Beispiel im Kontext von Autismus

Situation: Maria kommt aus Land A und zieht aus beruflichen Gründen nach Land B. Sie lernt Anna, eine einheimische Kollegin, kennen.

Marias Sichtweise: Maria ist es gewohnt, sich offen auszudrücken und mit körperlichen Berührungen wie Umarmungen Freundlichkeit zu zeigen. Sie findet Annas eher zurückhaltenden und indirekten Kommunikationsstil schwer zu verstehen.

Annas Sichtweise: Anna schätzt Höflichkeit und Subtilität und fühlt sich unwohl bei Marias Direktheit und körperlichen Gesten. Anna findet, dass Maria zu forsch ist.

Das Ergebnis: Sowohl Maria als auch Anna haben Mühe, eine Verbindung aufzubauen. Maria empfindet Anna als kalt und distanziert, während Anna Maria als übermäßig aggressiv empfindet.

Auch hier handelt es sich um das “Double Empathy Problem”: Ihre unterschiedlichen kulturellen Hintergründe führen zu gegenseitigen Missverständnissen. 

Der springende Punkt 

In beiden Beispielen geht es darum, dass die Verständigung daran scheitert, dass jede Person die Welt auf eine andere Art und Weise erlebt und interpretiert. Das “Double Empathy Problem” unterstreicht, dass dieses Scheitern auf Gegenseitigkeit beruht und nicht nur die Schuld einer Seite ist. Im Kontext Autismus bedeutet dies: Es liegt nicht nur, wie häufig angenommen, an der autistischen Person, wenn die soziale Interaktion zwischen einem autistischen Menschen und einem nicht-autistischen Menschen erfolglos bleibt.

Kurzum, Empathie ist eine Zweibahnstraße, die in beide Richtungen befahren werden will. Auch in der Kommunikation mit autistischen Menschen.

___________

Brainhero fördert das Verständnis von Ursache und Wirkung bei Kindern im Autismus-Spektrum und unterstützt so ihre Entwicklung - ganz ohne Medikamente.

Das Brainhero-Team erfasst die Symptome deines Kindes mit einem Ausgangsfragebogen und bewertet zu Therapieende die Fortschritte anhand eines Kontrollfragebogens. Als Elternteil erhältst du nach der Brainhero-Therapie einen Bericht über die tatsächliche Symptomreduzierung.

Vereinbare jetzt gleich einen kostenfreien Infotermin mit unserem Team und erfahre mehr über die Vorteile einer Therapie für zu Hause!

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Autismus: Du und Ich. Und Empathie - Eine Zweibahnstraße

Vor einiger Zeit lernte ich einen Neurochirurgen kennen. Ich erzählte ihm von meiner Autismus-Diagnose und fragte, ob er in seinem Beruf auch mit Autisten zu tun habe. Er überlegte kurz und antwortete dann: “Autisten, das sind die ohne Empathie, oder?”.

Es gibt viele Klischees, die mit Autismus assoziiert werden. “Autistische Menschen empfinden keine Empathie”, ist eines davon. Eine Konsequenz dieser falschen Annahme ist, dass Kommunikationsprobleme zwischen autistischen und nicht-autistischen Menschen oft ausschließlich als Defizit der autistischen Person bewertet werden.

Doch was ist Empathie eigentlich konkret? Fragt man unterschiedliche Menschen, so erhält man viele unterschiedliche Antworten: “Sich in jemanden anderen hineinversetzen können”, “fühlen können, was der andere fühlt”, oder “den anderen verstehen können”, sind häufig darunter. “Meinst du kognitive oder emotionale Empathie?”, ist hingegen eine eher seltene Antwort. Die Fülle der unterschiedlichen Antworten verdeutlicht jedoch primär eines: Empathie, also menschliches Einfühlungsvermögen, ist ein komplexes Thema. Und: Es geht um gegenseitiges Verständnis.

Milton’s “Double Empathy Problem” ist ein im Kontext Autismus und Empathie viel zitierter Ansatz, den man kennen sollte.

Was ist Milton’s “Double Empathy Problem”?

Milton’s “Double Empathy Problem” ist eine Theorie, die besagt, dass sowohl Autisten als auch Nicht-Autisten Schwierigkeiten haben, sich in den anderen einzufühlen und miteinander zu kommunizieren. Dies liegt daran, dass Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen einander oft missverstehen, wenn sie versuchen zu kommunizieren. Dieses Missverständnis geht in beide Richtungen, d.h. keine der beiden Seiten versteht vollständig, was die andere Seite zu sagen versucht oder fühlt.

Folgende Beispiele illustrieren das “Double Empathy Problem” in unterschiedlichen Kontexten:

1. Beispiel im Kontext von Autismus

Situation: Julia, die autistisch ist, und Tom, der nicht autistisch ist, arbeiten gemeinsam an einem Projekt.

Julias Sichtweise: Julia bevorzugt direkte Kommunikation und konzentriert sich intensiv auf Details. Sie findet es verwirrend, wenn Tom sich vage ausdrückt oder von ihr erwartet, dass sie zwischen den Zeilen liest.

Toms Sichtweise: Tom verwendet eine Menge Körpersprache und Andeutungen, um seine Ideen auszudrücken. Er ist frustriert, wenn Julia diese subtilen Hinweise nicht aufgreift und das Gesamtbild zu übersehen scheint.

Das Ergebnis: Sowohl Julia als auch Tom fühlen sich missverstanden und sind frustriert. Julia denkt, Tom sei unklar und Tom denkt, Julia sei unflexibel.

Das ist das Double Empathy Problem in Aktion: Beide haben Schwierigkeiten, die Art und Weise, wie der andere kommuniziert, zu verstehen.

2. Beispiel im Kontext von Autismus

Situation: Maria kommt aus Land A und zieht aus beruflichen Gründen nach Land B. Sie lernt Anna, eine einheimische Kollegin, kennen.

Marias Sichtweise: Maria ist es gewohnt, sich offen auszudrücken und mit körperlichen Berührungen wie Umarmungen Freundlichkeit zu zeigen. Sie findet Annas eher zurückhaltenden und indirekten Kommunikationsstil schwer zu verstehen.

Annas Sichtweise: Anna schätzt Höflichkeit und Subtilität und fühlt sich unwohl bei Marias Direktheit und körperlichen Gesten. Anna findet, dass Maria zu forsch ist.

Das Ergebnis: Sowohl Maria als auch Anna haben Mühe, eine Verbindung aufzubauen. Maria empfindet Anna als kalt und distanziert, während Anna Maria als übermäßig aggressiv empfindet.

Auch hier handelt es sich um das “Double Empathy Problem”: Ihre unterschiedlichen kulturellen Hintergründe führen zu gegenseitigen Missverständnissen. 

Der springende Punkt 

In beiden Beispielen geht es darum, dass die Verständigung daran scheitert, dass jede Person die Welt auf eine andere Art und Weise erlebt und interpretiert. Das “Double Empathy Problem” unterstreicht, dass dieses Scheitern auf Gegenseitigkeit beruht und nicht nur die Schuld einer Seite ist. Im Kontext Autismus bedeutet dies: Es liegt nicht nur, wie häufig angenommen, an der autistischen Person, wenn die soziale Interaktion zwischen einem autistischen Menschen und einem nicht-autistischen Menschen erfolglos bleibt.

Kurzum, Empathie ist eine Zweibahnstraße, die in beide Richtungen befahren werden will. Auch in der Kommunikation mit autistischen Menschen.

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